Mein Ole

Das besondere Hundebuch   

Vorwort zum Buch (Gudrun Lahm)  

15 000 Jahre gemeinsame Geschichte verbinden den Menschen mit dem Hund. Dabei wandelte dieser sich vom Wolf zum Jagdgehilfen, zum Hüter, nicht selten zur Waffe; aber vor allem zu dem, was heute sein wichtigster Vorzug ist: Er ist ein treuer und liebender Kamerad, der „seine“ Menschen bis in den Tod hingebungsvoll begleitet.

Peter Oehlerking ist ein sensibler Mann. Diese Sensibilität führte zu einer Angststörung, die eine lange Zeit seines Lebens zur Hölle machte, wie er eindrucksvoll in seinem Erstlingswerk ‚Apunkt. Angst‘ beschreibt.

ahre später wird der Autor erst mit dem plötzlichen Sterben seines Vaters Herm, dann mit dem schrecklichen, schleichenden Ersticken seiner Mutter Ruth konfrontiert, die unter der grausamen Erkrankung COPD leidet.

Aus beruflichen Gründen wohnt Peter „Oehlerking“ rund 200 Kilometer von der Mutter entfernt. Diese leidet unter der Einsamkeit nach dem Tod ihres Mannes, muss sich allein den qualvollen Ängsten stellen, die ihre Erkrankung mit sich bringt.

Der Sohn hat schließlich die rettende Idee: Ole soll helfen. Schon früher gab es in der Familie Rauhaardackel; die kleinen, charakterstarken Gesellen sind der Mutter wohlbekannt. Gedacht – getan: Welpe Ole hält Einzug in der Dreizimmerwohnung und wird zum fröhlichen Gefährten seines Frauchens.

Aus dem verspielten jungen Hund wird überraschend schnell ein aufmerksamer, sehr erwachsener tierischer Beschützer, der die alte Dame niemals aus den Augen lässt. Er ist liebevoller Mittelpunkt ihres Alltags, mitfühlender Begleiter ihres körperlichen und seelischen Leids und lebender Alarm in Notfallsituationen.

 Peter Oehlerking staunt bei jedem Besuch in Cuxhaven mehr über die Intelligenz, die der kleine Kerl an den Tag legt, obwohl er nicht verbal kommunizieren kann. Intensive Recherchen dazu führen den Autor zu Howard Gardner, einem Wissenschaftler, der zur Optimierung von IQ-Tests bereits in den 1980er Jahren diverse Arten von Intelligenz beschrieb.

 Prof. Dr. Gardner lehrte und forschte an der renommierten Universität Harvard als "Erziehungswissenschaftler" – seine Definition der "interpersonalen Intelligenz" galt für Menschen. Aber sie passt einfach perfekt auf Ole: Wer im besonderen Maße über interpersonale Intelligenz verfügt, soll besonders befähigt sein, unausgesprochene Motive, Gefühle und Absichten Anderer nachzuempfinden und zu verstehen.

Auch wenn ein Hund nicht sprechen kann, sich wissenschaftlich gesehen, auf der Verstandesebene eines eineinhalb- bis dreijährigen Kindes befindet, so sind doch Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen um ein Vielfaches höher als bei so manchem erwachsenen Menschen. Basierend auf Jahrtausende langen Übungen der Zusammenarbeit mit Menschen erwächst aus dieser Fähigkeit zum Mitgefühl oft ein erstaunlich logisches Handeln.

Diese Erkenntnis teilt der Autor jedoch nicht in wortreichen wissenschaftlichen Erklärungen. Stattdessen reißt er viele Szenen nur an, gibt seinen Lesern viel Raum für eigene Interpretationen.

So wird aus einer Erzählung, die eigentlich „nur“ einem kleinen Dackel galt, ein Erleben der letzten Tage einer alten Frau aus Sicht des Vierbeiners. Ole wird neben Ruth der wichtigste Protagonist einer bewusst nur aus wenigen Akteuren bestehenden Geschichte, die in einem stillen Drama mit lautem Widerhall endet.

„Mein Ole“ hat inzwischen eine doppelte Bedeutung: Der treue Rauhaardackel, zuvor Stellvertreter des Autors im Hause Ruths, begleitet inzwischen diesen selbst und hilft ihm mit Wärme, Freundlichkeit und stillem Verständnis, den Tod der geliebten Mutter zu verarbeiten. ***